Impulsvorträge und Podiumsgespräch
Das Leben des Menschen ist ausgespannt zwischen Zeugung, Geburt und Tod - eigentlich eine Selbstverständlichkeit. In den Freuden und Anstrengungen des alltäglichen Lebens allerdings wird der Tod mit seinem unvorhersehbaren und doch unweigerlichen Zeitpunkt verdrängt - durchkreuzt er doch menschliche Hoffnungen, Pläne und Wünsche. Für unsere Gesellschaft ist das Sterben eine Verlegenheit geworden, ein Scheitern gar der Medizin. Der Tod ist tabuisiert und mit ihm Altern, Krankheit und Leid. Modernes Streben richtet sich zunehmend allein auf den Erhalt von Jugend und Schönheit.
Es gilt vor diesen Entwicklungen, den Tod neu zu bewerten und zu lernen, mit ihm angstfrei zu leben. Es ist Aufgabe der Gesellschaft, eine Kultur zu pflegen, in der Glück und Freude, aber ebenso Tod, Trauer und Schmerz beieinander stehen dürfen. Dazu braucht es Dialogbereitschaft und eine Bewusstseins-Kultur. Vor diesem Hintergrund ist diese Veranstaltung im Monat des Totengedenkens der Endlichkeit, aber auch dem Trost und der Barmherzigkeit gewidmet.
Einführend wird Erika Markmiller-Pleyer als Kulturkuratorin, Sterbeamme und Trauerbegleiterin, einen Überblick geben zur Kulturgeschichte des Todes und zum aktuellen Umgang der Gesellschaft mit Tod, Trauer und Schmerz: Warum ist das Sterben zur großen Frage geworden und wie ist dieser kulturgeschichtliche Wandel zu erklären?
In einem ersten Schritt wird Prof. Dr. Marcus Schlemmer seine Expertise als Chefarzt der Klinik für Palliativmedizin bei den Barmherzigen Brüdern in München zur Verwundbarkeit des Menschen am Lebensende darlegen. Er begegnet im Klinikalltag tagtäglich Verlust, Sterben und Trauer und wird Einblicke geben, wie das Lebensende würdevoll gestaltet werden kann: Wie gelingt gutes Sterben? Wie wollen wir sterben?
In einem zweiten Schritt wird Prof. Dr. Giovanni Maio als Mediziner, Philosoph, Professor und Direktor des Instituts für Ethik und Geschichte der Medizin der Universität Freiburg i. Br., ein mahnendes Plädoyer für eine Medizin der Zuwendung und eine Kultur der Sorge formulieren, die den Menschen ins Zentrum stellt. Dabei wird er über das Wunder des Trostes und die Gabe der Barmherzigkeit sprechen. Seine Erläuterungen untermauert er mit seinen persönlichen Erfahrungen im Umgang mit dem verletzlichen Menschen.
Zu den Referierenden:
Erika Markmiller-Pleyer: Kulturkuratorin, Sterbeamme & Trauerbegleiterin. Neben Kulturarbeit und Ehrenamt gilt ihr primäres Interesse der Sterbeforschung und der Kulturgeschichte des Todes. Aus eigenen Erfahrungen und persönlichem Engagement ist professionelle Berufung geworden. Dem angstbesetzten Prozess des Sterbens den Schrecken zu nehmen, Leiden und seelische Not zu mildern, sind wesentliche Aspekte ihrer Arbeit.
Prof. Dr. Marcus Schlemmer: Er ist Chefarzt der Klinik für Palliativmedizin bei den Barmherzigen Brüdern in München. Er hat als Arzt und Klinikleiter praktische und umfängliche medizinische Erfahrung im Umgang mit dem verletzlichen Menschen und umfangreiche Erfahrung, wie gutes Sterben gelingt. Schlemmer macht sich viele Gedanken über die Einsamkeit der Sterbenden in unseren Tagen. Sein Credo: Würde ist unverlierbar!
Prof. Dr. Giovanni Maio: Er ist Mediziner, Philosoph, Universitätsprofessor für Bioethik und Medizinethik an der Albert-Ludwig-Universität in Freiburg und dort Direktor des Instituts für Ethik und Geschichte der Medizin. Er ist ein prominenter Rufer und Mahner gegen Ökonomisierung, Technisierung und Gewinnmaximierung in der Medizin und in hochrangigen, interdisziplinären Gremien vertreten, wie Bundesärztekammer und Ethikrat. Seine umfangreichen Lehrbücher gelten heute als Standardwerte in der Medizinethik. Der Mensch steht dabei stets im Mittelpunkt.
Referenten:
Erika Markmiller-Pleyer, Kulturkuratorin, Sterbeamme & Trauerbegleiterin
Prof. Dr. Marcus Schlemmer, Chefarzt der Klinik für Palliativmedizin
Barmherzige Brüder Krankenhaus München
Prof. Dr. Giovanni Maio, Mediziner, Philosoph, Professor am Institut für Bioethik und Medizinethik an der Albert-Ludwig-Universität in Freiburg, Direktor des Instituts für Ethik und Geschichte der Medizin
| Veranstaltungsnr. | 4-23256 |
| Datum | Mi 18.11.2026, 19.00 Uhr |
| Ort | Aussegnungshalle am Friedhof Dingolfing, Sankt-Thekla-Weg, 84130 Dingolfing |
| Gebühr | Kostenbeitrag erforderlich - Sie entscheiden wieviel Sie geben können/wollen! |
| Veranstalter | KEB DGF-LAN in Koop. mit Münsterpfarrei St. Johannes, Ev. Erlöserkirche und Stadt Dingolfing |
| Anmeldung | Anmeldung über die Veranstaltung auf www.keb-dingolfing-landau.de |